Lexikon

Hier finden Sie die Begriffe, die in unseren Artikeln verwendet werden. Jeder Begriff hat genau eine Definition – so meinen alle Artikel dasselbe.

A

Anti-Schimmel-Farbe
Wandfarbe mit fungiziden Zusätzen oder alkalischen Bindemitteln (z. B. Silikatfarbe), die das Schimmelwachstum auf der Oberfläche hemmen soll. Sie ersetzt nicht die Beseitigung der Schimmelursache (Feuchtigkeit, Wärmebrücken) und sollte nur auf schimmelfreien, trockenen Untergründen aufgetragen werden.
Aufsteigende Feuchtigkeit
Aufsteigende Feuchtigkeit entsteht, wenn Wasser aus dem Erdreich durch kapillare Saugwirkung im Mauerwerk nach oben steigt. Ursache ist meist eine fehlende, defekte oder überbrückte Horizontalsperre; typische Schadenshöhe liegt bei 30–150 cm über dem Bodenniveau.

B

Baufeuchte
Baufeuchte ist die Feuchtigkeit, die während der Errichtung eines Gebäudes durch Beton, Mörtel, Estrich und Putz in die Bausubstanz gelangt. Ein Neubau kann mehrere tausend Liter Wasser enthalten, die über Monate bis Jahre austrocknen müssen – in dieser Zeit ist verstärktes Lüften nötig.
Beweislast
Die Beweislast im Mietrecht regelt, wer nachweisen muss, ob Schimmel durch einen Baumangel oder durch falsches Heizen und Lüften entstanden ist. Nach der Rechtsprechung des BGH muss zunächst der Vermieter beweisen, dass die Ursache nicht in der Bausubstanz liegt; erst dann muss der Mieter belegen, dass er ausreichend geheizt und gelüftet hat.

D

Dampfbremse
Eine Dampfbremse ist eine Folie oder Beschichtung, die den Wasserdampfdurchgang durch Bauteile verlangsamt (sd-Wert etwa 0,5–1 500 m), aber nicht vollständig verhindert – im Unterschied zur Dampfsperre. Sie wird vor allem bei Dach- und Innendämmungen eingesetzt, um Tauwasser in der Dämmung zu vermeiden.
Diffusionsoffen
Diffusionsoffen bedeutet, dass ein Bauteil oder Material Wasserdampf durchlässt (sd-Wert < 0,5 m) und so Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk nach außen abgeben kann. Diffusionsoffene Putze und Farben sind wichtig, um Feuchtigkeitsstau und Schimmelbildung zu vermeiden.

F

Freimessung
Die Freimessung ist eine Raumluftuntersuchung nach einer Schimmelsanierung, die bestätigt, dass die Sporenkonzentration wieder im Normalbereich liegt. Sie erfolgt meist durch Partikelzählung oder Kultivierung; Grenzwerte sind nicht gesetzlich festgelegt, üblich ist ein Vergleich mit Außenluft.
Fungizid
Ein Fungizid ist ein chemischer Wirkstoff, der Pilzwachstum hemmt oder abtötet. In Anti-Schimmel-Farben und Schimmelentfernern werden Fungizide eingesetzt; ihre Wirkung ist zeitlich begrenzt; Herstellerhinweise zu Schutzmaßnahmen sind zu beachten.

G

Gelber Schimmel
Schimmelpilzart mit gelblicher Färbung, z. B. Aspergillus flavus, die vor allem auf feuchten Wänden, Tapeten und organischen Materialien wächst. Einige Arten bilden gesundheitsschädliche Mykotoxine; befallene Flächen sollten fachgerecht entfernt werden.
Grüner Schimmel
Schimmelpilzbefall mit grünlicher Färbung, meist Arten der Gattung Aspergillus oder Penicillium, die auf Wänden, Lebensmitteln und organischen Materialien wachsen. Viele Arten sind gesundheitsschädlich; befallene Flächen müssen fachgerecht saniert werden.

H

Horizontalsperre
Die Horizontalsperre ist eine wasserundurchlässige Schicht im Mauerwerk (meist 30 cm über Geländeniveau), die das Aufsteigen von Bodenfeuchtigkeit verhindert. Sie besteht aus Bitumenbahnen, Edelstahlblechen oder nachträglich injizierten Abdichtungen.
Hygrometer
Ein Hygrometer ist ein Messgerät für die relative Luftfeuchtigkeit; einfache digitale Geräte zeigen zusätzlich die Raumtemperatur an.

I

Innendämmung
Wärmedämmung an der Innenseite von Außenwänden, die das Schimmelrisiko erhöhen kann, wenn sie fehlerhaft ausgeführt wird oder keine Dampfbremse vorhanden ist. Feuchtigkeit kann hinter der Dämmung kondensieren; eine fachgerechte Planung und Ausführung ist zwingend erforderlich.

K

Kalziumsilikatplatte
Kalziumsilikatplatten sind poröse Dämmplatten aus Kalk und Kieselsäure, die Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben können (kapillaraktiv). Sie werden zur Innendämmung an Wärmebrücken eingesetzt, um die Oberflächentemperatur zu erhöhen und Schimmelbildung zu verhindern.
Kipplüften
Kipplüften ist das dauerhafte Lüften über ein gekipptes Fenster; der Luftaustausch ist gering, während die Fensterlaibung stark auskühlt.
Kondenswasser
Kondenswasser entsteht, wenn feuchte Luft an einer Oberfläche unter den Taupunkt abkühlt und der Wasserdampf zu flüssigem Wasser wird.

L

Luftentfeuchter
Elektrisches Gerät zur Reduzierung der Luftfeuchtigkeit in Innenräumen durch Kondensation oder Adsorption. Luftentfeuchter können kurzfristig bei akuter Feuchtigkeit helfen, ersetzen aber nicht regelmäßiges Lüften und die Behebung baulicher Mängel.

M

Mietminderung
Recht des Mieters nach § 536 BGB, die Miete zu kürzen, wenn ein Mangel die Tauglichkeit der Wohnung zum vertragsgemäßen Gebrauch mindert. Bei Schimmelbefall ist die Höhe der Minderung vom Umfang und der Ursache abhängig; der Mieter muss den Mangel unverzüglich anzeigen.
MVOC
MVOC (mikrobielle flüchtige organische Verbindungen) sind gasförmige Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, die den typischen muffigen Schimmelgeruch verursachen. Sie können auf verdeckten Schimmelbefall hinweisen, auch wenn noch keine sichtbaren Flecken vorhanden sind.
Mykotoxin
Mykotoxine sind giftige Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, die bei längerem Kontakt oder Einatmen gesundheitsschädlich wirken können. Nicht alle Schimmelpilze bilden Mykotoxine; die Konzentration hängt von Art, Substrat und Feuchtigkeit ab.
Myzel
Das Myzel ist das fadenförmige Geflecht aus Pilzzellen (Hyphen), das sich im Baumaterial ausbreitet und die eigentliche Wachstumsstruktur des Schimmelpilzes bildet. Sichtbare Schimmelflecken an der Oberfläche sind nur der Fruchtkörper; das Myzel kann mehrere Zentimeter tief in Putz, Tapete oder Holz hineinwachsen.
Mängelanzeige
Die Mängelanzeige ist die schriftliche Mitteilung des Mieters an den Vermieter über einen Mangel (z. B. Schimmel) in der Wohnung. Sie ist Voraussetzung für Mietminderung und Schadensersatzansprüche; der Vermieter muss angemessene Frist zur Beseitigung erhalten.

Q

Querlüften
Querlüften ist Stoßlüften mit gegenüberliegenden geöffneten Fenstern oder Türen, sodass Durchzug entsteht und die Luft in kürzester Zeit ausgetauscht wird.

R

Relative Luftfeuchtigkeit
Die relative Luftfeuchtigkeit gibt in Prozent an, wie viel Wasserdampf die Luft im Verhältnis zur maximal möglichen Menge bei der aktuellen Temperatur enthält.
Rosa Schimmel
Rötlich-rosa Verfärbung in Feuchträumen, oft keine echten Schimmelpilze, sondern Bakterien (z. B. Serratia marcescens) oder Hefen. Sie treten häufig in Duschfugen und auf Silikondichtungen auf und sollten mit geeigneten Reinigern entfernt werden.
Roter Schimmel
Schimmelpilzart mit rötlicher Färbung, oft aus der Gattung Fusarium oder Neurospora, die vor allem auf feuchtem Holz, Tapeten und Lebensmitteln vorkommt. Einige Arten produzieren Mykotoxine; befallene Materialien sollten entfernt werden.

S

Salpeter
Weißliche, kristalline Ausblühungen an Mauerwerk, die durch aufsteigende Feuchtigkeit und darin gelöste Salze entstehen. Salpeter ist kein Schimmel, weist aber auf ein Feuchtigkeitsproblem hin, das Schimmelbildung begünstigen kann.
Schimmelentferner
Chemisches oder biologisches Präparat zur Abtötung und Entfernung von Schimmelpilzen auf befallenen Oberflächen. Wirkstoffe sind meist Chlorverbindungen, Wasserstoffperoxid oder Alkohol; die Anwendung erfordert Schutzmaßnahmen und ausreichende Lüftung.
Schimmelgutachter
Ein Schimmelgutachter ist ein Sachverständiger für Schimmelpilzschäden (z. B. öffentlich bestellt, TÜV- oder verbandszertifiziert), der Schimmelbefall analysiert, Ursachen ermittelt und Sanierungsempfehlungen gibt. Gutachten sind vor allem bei Streit zwischen Mieter und Vermieter oder vor umfangreichen Sanierungen sinnvoll.
Schimmelpilz
Schimmelpilze sind Mikroorganismen, die auf feuchten organischen Oberflächen wachsen und Sporen in die Raumluft abgeben; sichtbarer Befall wird umgangssprachlich Schimmel genannt.
Schimmelsanierung
Fachgerechte Entfernung von Schimmelbefall und Beseitigung der Ursachen durch qualifizierte Fachfirmen. Bei Befall über 0,5 m² oder gesundheitlichen Risiken ist eine professionelle Sanierung nach dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes empfohlen; sie umfasst Ursachenanalyse, Schimmelentfernung, Desinfektion und bauliche Maßnahmen.
Schimmelsporen
Fortpflanzungszellen von Schimmelpilzen, die in der Raumluft schweben und bei Kontakt mit feuchten Oberflächen auskeimen können. Schimmelsporen sind allgegenwärtig; gesundheitliche Probleme entstehen meist erst bei hoher Sporenkonzentration oder bei empfindlichen Personen.
Schimmeltest
Verfahren zur Bestimmung von Schimmelpilzbefall durch Raumluftmessung, Materialproben oder Abklatschproben. Einfache Schnelltests für Verbraucher liefern nur Hinweise; eine zuverlässige Analyse erfordert Laboruntersuchungen durch akkreditierte Institute.
Schwarzer Schimmel
Schimmelpilzbefall mit schwarzer Färbung, oft Arten der Gattung Aspergillus niger oder Stachybotrys chartarum. Einige schwarze Schimmelpilze produzieren gesundheitsschädliche Mykotoxine; befallene Flächen über 0,5 m² sollten von Fachfirmen saniert werden.
Silikatfarbe
Mineralische Wandfarbe auf Basis von Kaliwasserglas, die durch Verkieselung mit dem Untergrund eine diffusionsoffene, alkalische Oberfläche bildet und so das Schimmelwachstum hemmt. Sie eignet sich besonders für feuchtebelastete Räume und mineralische Untergründe.
Stockflecken
Bräunliche bis gelbliche Verfärbungen auf Textilien, Papier oder Wänden, die durch Feuchtigkeit und Pilzbefall entstehen. Sie sind oft Vorstufen von Schimmelbefall und sollten zeitnah entfernt werden.
Stoßlüften
Stoßlüften bedeutet, ein oder mehrere Fenster für wenige Minuten vollständig zu öffnen, damit die feuchte Raumluft schnell gegen Außenluft ausgetauscht wird.

T

Taupunkt
Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist und Feuchtigkeit als Kondenswasser an Oberflächen ausfällt.

W

Weißer Schimmel
Schimmelpilzbefall mit weißlichem Myzel, der auf hellen Untergründen oft schwer zu erkennen ist. Er tritt häufig auf Holz, Gipskarton und Tapeten auf und kann mit Salzausblühungen verwechselt werden; ein Wischtest schafft Klarheit.
Wärmebrücke
Eine Wärmebrücke ist eine Stelle der Gebäudehülle, an der mehr Wärme nach außen abfließt als in den umgebenden Bauteilen, sodass die Innenoberfläche dort kälter ist.