Warum die Lüftungsdauer von der Jahreszeit abhängt
Je größer der Temperaturunterschied zwischen innen und außen, desto schneller tauscht sich die Luft aus. Kalte Außenluft enthält wenig Wasser und nimmt beim Erwärmen im Innenraum schnell Feuchtigkeit auf [1]. Dieser Effekt sorgt im Winter für einen zügigen Austausch, sodass wenige Minuten Stoßlüften ausreichen.
Im Sommer fällt der Effekt schwächer aus. Die Raumluftfeuchte ist im Jahresverlauf im Sommer typischerweise höher als im Winter, was den Luftaustausch beim Lüften erschwert [2]. Deshalb braucht ein sommerliches Stoßlüften deutlich mehr Zeit, um die gleiche Wirkung zu erzielen wie im Winter.
Die relative Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen sollte nicht dauerhaft über 60 % liegen, da sonst das Risiko für Schimmelbildung steigt [3]. Lüften Sie so lange und so oft, dass dieser Wert im Alltag nicht dauerhaft überschritten wird.
Was beim Luftaustausch physikalisch passiert
Beim Lüften strömt trockenere Außenluft ein und ersetzt die feuchte Raumluft. Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte Luft. Deshalb sinkt beim Öffnen des Fensters die relative Luftfeuchtigkeit im Raum, sobald die kühlere Außenluft die warme, feuchte Luft verdrängt.
Problematisch wird es, wenn feuchte Luft auf kalte Oberflächen trifft, etwa an einer Wärmebrücke oder an einer schlecht gedämmten Außenwand. Kühlt die Luft dort unter den Taupunkt ab, entsteht Kondenswasser [4]. Dieses Wasser bleibt an der Wand oder am Fensterrahmen haften und bildet einen Nährboden für Schimmelpilz, wenn es nicht abtrocknet.
Nach dem Stoßlüften ist es sinnvoll, kurz nachzuheizen. So steigen die Wandoberflächen schneller über den Taupunkt, wodurch sich weniger Kondenswasser bildet.
Dieser Mechanismus erklärt, warum die Dauer des Stoßlüftens je Jahreszeit unterschiedlich ausfällt: Je kälter die Außenluft, desto weniger Wasserdampf kann sie aufnehmen, aber desto schneller sinkt auch die Feuchtigkeit im Raum.
Tabelle: Stoßlüften-Dauer nach Jahreszeit
Die folgende Tabelle zeigt Richtwerte für die Lüftungsdauer je Jahreszeit.
::: vergleich Tabelle: Stoßlüften-Dauer nach Jahreszeit
| Jahreszeit | Dauer je Lüftungsvorgang | Empfohlene Häufigkeit |
|---|---|---|
| Winter | 3–5 Minuten [5] | mindestens 3–4-mal täglich [5] |
| Frühling/Herbst | 10–20 Minuten [5] | mindestens 3–4-mal täglich [5] |
| Sommer | kein belegter Richtwert; deutlich länger als im Frühling/Herbst | mindestens 3–4-mal täglich [5] |
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Im Winter genügt eine kurze Lüftungsdauer, weil die Außenluft sehr trocken ist und die feuchte Raumluft schnell ersetzt. In der Übergangszeit im Frühling und Herbst braucht der Luftaustausch länger, da die Temperaturunterschiede zwischen innen und außen moderater ausfallen. Im Sommer ist die längste Dauer nötig, weil die Außenluft selbst oft hohe relative Luftfeuchtigkeit mitbringt und der Effekt des Lüftens geringer ausfällt.
Diese Werte gelten als Richtwerte für normal genutzte Wohnräume. Küche und Bad benötigen nach dem Kochen oder Duschen zusätzliche, kurze Stoßlüftungen unabhängig von der Jahreszeit, da hier kurzfristig deutlich mehr Feuchtigkeit entsteht.
Richtig stoßlüften in der Praxis
Öffnen Sie Fenster vollständig, am besten gegenüberliegend, für die empfohlene Dauer. So verläuft der Vorgang in der Praxis:
Vorbereitung
- Prüfen Sie, welche Fenster sich gegenüberliegend oder zumindest in verschiedenen Räumen öffnen lassen, denn Durchzug beschleunigt den Luftaustausch [6].
- Räumen Sie keine Gegenstände weg, öffnen Sie stattdessen einfach die Fensterflügel ganz, statt sie nur zu kippen.
Während des Lüftens
- Öffnen Sie alle vorbereiteten Fenster gleichzeitig für die Dauer, die zur Jahreszeit passt.
- Öffnen Sie zusätzlich Innentüren, damit die Luft von Raum zu Raum strömen kann und sich schneller austauscht.
- Verzichten Sie während dieser Minuten auf zusätzliches Heizen, da die Wärme sonst direkt nach außen entweicht.
Nach dem Lüften
- Schließen Sie alle Fenster vollständig, sobald die Zeit abgelaufen ist.
- Stellen Sie die Heizung wieder auf die gewohnte Stufe, damit sich der Raum zügig erwärmt.
Häufige Fehler beim Stoßlüften
Der häufigste Fehler ist dauerhaftes Kipplüften statt kurzem, vollständigem Öffnen. Beim Kipplüften kühlt die Fensterlaibung stark aus, während sich die Luft im Raum kaum austauscht [6]. An der ausgekühlten Wandfläche kann sich später leichter Kondenswasser bilden, wenn feuchte Raumluft dort auf eine kalte Oberfläche trifft.
Ein zweiter verbreiteter Fehler ist zu seltenes Lüften. Wird über längere Zeit gar nicht gelüftet, baut sich die Feuchtigkeit aus Atmung, Duschen und Kochen im Raum auf [3]. Die relative Luftfeuchtigkeit steigt dann schrittweise an, ohne dass dies sofort auffällt.
Woran erkennen Sie, dass lange genug gelüftet wurde? Ein einfaches Zeichen ist, dass sich die eingeströmte Luft merklich kühler anfühlt als vorher und kein beschlagenes Fensterglas mehr zu sehen ist. Ein Hygrometer zeigt zuverlässiger an, ob die relative Luftfeuchtigkeit im Raum wieder in einem unauffälligen Bereich liegt.
Ein weiterer Fehler betrifft die Möblierung: Möbel, die direkt an Außenwänden stehen, verhindern die Luftzirkulation an der Wandfläche. Dahinter kann sich Feuchtigkeit stauen, weil die Wandoberfläche kälter bleibt als der Rest des Raums. Ein Abstand von einigen Zentimetern zwischen Möbelstück und Außenwand hilft, dass Luft zirkulieren kann.
Mietwohnung: kurz erklärt
Wohnen Sie zur Miete, gilt vor allen weiteren Schritten eine Pflicht: Zeigen Sie den Schimmel Ihrem Vermieter unverzüglich an, am besten schriftlich mit Datum und Fotos. § 536c BGB schreibt diese Mängelanzeige vor; wer den Mangel verschweigt, kann Rechte verlieren und für Folgeschäden haften [7]. Alles Weitere – Mietminderung und ihre Höhe, Fristen, Urteile, ein Musterschreiben sowie die Regeln in Österreich und der Schweiz – behandelt Mietminderung bei Schimmel: Höhe, Ablauf, Musterschreiben.